Royales Rudern: Endlich in Henley!

03. Juli 2026

Beim sechsten Mal hat's endlich geklappt: Magdalena rudert bei der Henley Royal Regatta und feiert auf der Themse ein Comeback im Einer.

Was Wimbledon im Tennis oder Ascot und Cheltenham im Pferdesport, ist die Henley Royal Regatta für die Ruder-Community: ein Kult-Event mit strengen Regeln, eigenem Dresscode und vor allem riesengroßer Begeisterung. In diesem Jahr erstmals mit dabei: Magdalena Lobnig, die ab Freitag auf der Themse wieder in den Einer steigt.

Es riecht nach frisch gemähtem Rasen, teurem Parfüm und einer kräftigen Note Ruder-Geschichte. Seit 1839 findet die Henley Royal Regatta bereits statt, seit 1986 geht das Spektakel über fünf Tage. Immer in der ersten Juli-Woche, stets von Mittwoch bis Sonntag. Während man sich in Wimbledon über die Weltrangliste oder die Qualifikation einen Startplatz sichert, rudert bei der ältesten Regatta der Welt nur, wer entweder für einen britischen Verein fährt oder eine Einladung des Veranstalters bekommt.

„Es ist ein unglaubliches Erlebnis, hier merkt man an jeder Ecke, dass Rudern in Großbritannien eine ganz andere Nummer ist“, gehört Magdalena Lobnig erstmals zum „Who is Who“ des Rudersports. „Ich war schon fünf Mal eingeladen, aber irgendwas ist immer dazwischengekommen. Umso mehr freut es mich, dass es jetzt als Beach Sprinterin erstmals klappt“, lacht die Kärntnerin, die ein Comeback im Einer feiert.

Ohne spezielle Vorbereitung, aber mit umso mehr Vorfreude. Auch weil das Format einzigartig ist. Während im Weltcup und bei Weltmeisterschaften sechs schnurgerade Bahnen vorgeschrieben sind, hält Henley – eh klar – an der Tradition fest. Streckenlänge: 550 Yards oder 2,112 Kilometer. Zwei Boote. Ein K.o.-System. Wer verliert, fliegt raus. Die Strecke ist durch Holzpfähle begrenzt, die Strömung unberechenbar und der Wind oft unfair. „Das Wasser ist richtig unruhig, die Wellen kommen durch die Motorboote und die vielen anderen Boote aus allen Richtungen. Speziell im Einer, der ja das kleinste Boot ist, kann das richtig ungut werden. Aber so hab ich wenigstens gleich einen Trainingseffekt für den Beach Sprint“, nimmt es die 35-Jährige locker.

Klar ist: die Rückkehr in den Einer ist eine einmalige Sache. „Grundsätzlich ist das Thema für mich abgeschlossen, deshalb gehe ich ohne Druck oder Stress in die Regatta. Aber natürlich möchte ich mich der Herausforderung stellen und performen!“ Durch ihre Vorleistungen am Flachwasser in Form von Olympia-, WM- und EM-Medaillen oder den Gesamt-Weltcup ist die Heeressportlerin gesetzt, steigt am Freitag erst im Viertelfinale ein. Im Falle eines Aufstiegs wird am Samstag das Semifinale und am Sonntag das Finale gerudert. „Ich will es einfach genießen!“

Dazu gehört auch das Rahmenprogramm, im Fall einer Weltklasseathletin die Einladung zum elitären Steward’s Enclosure mit strengem Dresscode. Eine Hauptrolle spielen dabei die Rowing Blazer der jeweiligen Vereine, die in der Familie weitergegeben und -getragen werden. „In der Tradition werden die auch nicht gewaschen, manche sind 50, 60 Jahre alt, haben Löcher. Da gibt’s richtig wilde Sachen.“ Ein Glück, dass es erst am Sonntag 29 Grad bekommt, denn wer den obersten Hemdsknopf öffnet oder das Sakko über den Arm legt, riskiert den sofortigen Rauswurf.  Die Damen tragen Kleid mit Hut. „All das gehört zu Henley, es ist ein bisschen wie ein großes Kostümfest – und das macht es so besonders!“